Graswurzeln

Als Graswurzelbewegung wird im deutschsprachigen Raum eine politische oder gesellschaftliche Initiative bezeichnet, die aus der Bevölkerung heraus, also „von unten”, entsteht. (Wikipedia.org)

Mobbing – auch im Internet ein Thema April 27, 2008

Gespeichert unter: Uncategorized — Laura @ 1:38
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Mittels der Kommentarfunktionen in Blogs, Socialnetworking-Profilen und auf Homepages (dort eher als Gästebuch) ist es jedem möglich mehr oder weniger anonym und vorallem ungestraft andere Personen zu kritisieren, anzugreifen, verfolgen, mobben. Dies trifft auf Personen zu, die selbst im Netz aktiv sind.

Aber auch Personen, von denen keine Profile, keine Blogs und keine Homepages im Internet zu finden sind, können virtuell gemobbt werden; Mit massenhaft versendeten E-Mails zum Beispiel, auf eigens eingerichteten Homepages, oder in Blogs.

Bekannt ist dieses Phänomen hauptsächlich im Zusammenhang mit Schüler-Lehrer-Konflikten oder unter Jugendlichen, auch Stars haben immer wieder unter sogenannten „Cyberbullying“ oder „Cybermobbing“ zu leiden.

„Bei der Schweizerischen Kriminalprävention ist Cybermobbing schon länger bekannt. Unter Jugendlichen sei Mobbing kein neues Phänomen, sagt Leiter Martin Boess [...] Neu sei hingegen der Kanal, den nun einige Jugendliche nutzen: «Das Mobbing ist nicht direkt, sondern erfolgt auf Distanz», sagt Boess. «Viele Opfer erfahren daher erst viel später davon.» Die Blossstellung im Internet sei zudem öffentlich und könne nicht so einfach rückgängig gemacht werden. Wenn ein Film weiterhin im Netz bleibe, nütze auch eine Entschuldigung des Täters nichts.“

(Tagesanzeiger, 13.3.08, Michel Wenzler: „Männedörfler Nationalrätin bekämpft Mobbing im Netz“)

Allerdings bedienen sich, gerade wegen der beschriebenen „Vorteile“ nicht nur Jugendliche des Cybermobbings, sondern auch Erwachsene. Und da kann eine solche Attacke durchaus grossen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Klassisches Mobbing wurde bisher vorallem als etwas verstanden, dem Angestellte ausgeliefert sind, sie werden entweder „von oben“, also von ihren Chefs, oder „von der Seite“, also von Teammitgliedern gemobbt, das Cybermobbing aber erlaubt ein geschicktes und risikoarmes Mobbing „von unten“, quasi von den Graswurzeln her.

Dies macht es für herrische, ungerechte Chefs besonders gefährlich.

„Offiziell heißt es, Richard Phillips habe gekündigt, um sich eine Auszeit zu gönnen. Doch in Wahrheit wurde der ehemalige Anwalt der internationalen Kanzlei Baker & McKenzie von seiner Sekretärin derart bloßgestellt, dass sein Ausscheiden unumgänglich war.

Wochen zuvor hatte sie bei einem Arbeitsessen die Hose ihres Chefs versehentlich mit einem Spritzer Ketchup bekleckert. Phillips ermahnte die Mitarbeiterin mehrmals in rüdem Ton, ihm die Reinigungskosten in Höhe von vier Pfund zu erstatten.

Die aber tat etwas anderes: Per E-Mail informierte sie alle Kollegen über das Gebaren des Anwalts. Phillips machte als geizigster Boss Englands Schlagzeilen.“

(Capital, 17.1.08, Mischa Täubner: „Attacken gegen den Chef“)

Aber grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer in einer Führungsposition gemobbt werden, unpopuläre Entscheide gehören ja quasi zum Job.

 

Aber gerade auch bekannte Blogger sehen sich auch immer wieder Hasstiraden und Mobbingattacken ausgesetzt. Bei Frauen wird dabei auch gerne die sexuelle Schiene gefahren. „Du bist nur neidisch, weil du so scheisse aussiehst“ ist da gerade noch harmlos.

Es scheint gerade so, als würden Männer im Schutz der Anonymität Chauvinismus und Sexismus ausleben, der in der „echten Gesellschaft“ längst nicht mehr in diesem Masse toleriert wird.

Bekanntestes Opfer von sexualisiertem Kommentarterror ist Kathy Sierra.

„Die Software-Designerin betrieb einen Technik-Blog und trat oft als Rednerin bei Software- und Compterkongressen auf. Im Frühjahr 2007 sagte sie sämtliche Engagements ab und schloss ihre Website. Der Grund: Seit Monaten war sie Zielscheibe von brutalen Angriffen gewesen. Auf ihrer eigenen Seite wurde sie als „langweilige Schlampe“ bezeichnet, man drohte ihr, sie zu vergewaltigen, wen sie nicht aufhöre zu schreiben. Bei anderen Blogs tauchten Fotomontagen auf, in denen Sierra mit einem Seil um den Hals oder schreiend, mit einem Tanga auf dem Gesicht, zu sehen war.“

(Haaf, Klingner, Streidl: Wir Alphamädchen. S. 134)

Hier ein Bericht über die Vorfälle auf CNN: