Graswurzeln

Als Graswurzelbewegung wird im deutschsprachigen Raum eine politische oder gesellschaftliche Initiative bezeichnet, die aus der Bevölkerung heraus, also „von unten”, entsteht. (Wikipedia.org)

Kommentiert April 28, 2008

Gespeichert unter: Uncategorized — Laura @ 4:53 Uhr vormittags
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Jaja, ich komme spät damit, wissen tu’ ichs schon lange, aber ebenso lange wusste ich nicht, ob ich es hier überhaupt erwähnen soll: Ich wurde kommentiert!

Nicht erwähnen wollte ich es, weil mich die Art des Kommentars geärgert hat. Der Kommentar ist mit “weiblicher schweizerischer Metablog” betitelt, was bereits das  Ärgernis beinhaltet. Ist es echt so wichtig, dass ich weiblich bin? So erwähnenswert?

Stimmt, unerfahren bin ich bestimmt, gemessen an Bloggern der ersten Stunde, auch gemessen an Bloggern, die sich schon lange für das Thema Blog interessieren, aber deswegen ja der Versuch, nicht, dass ihr mich missversteht…

Aber vermutlich hat Napoleon in grosser Voraussicht die Hauptregel für Blogger erfunden, als er gesagt hat, dass es unwichtig ist, was über einen gesagt wird, hauptsache, es wird über einen gesprochen.

Jööööö.

 

Im übrigen ist der Kommentar aber eine gute Antwort auf die eingehenden Gedanken im “über mich”.

“durchschaut weder den Filz noch die Eigentumsrechte einzelner Blogs.”

Mittlerweile habe ich denn wenigstens etwas hinter die Fassade einiger Blogs sehen können, und bin nicht mehr so wahnsinnig optimistisch. Letzlich ist jeder Blog, mag er noch so gut und relevant sein, auf die Verlinkung von anderen Blogs und die Referrenzierung von Suchmaschinen angewiesen. Wird über ein Thema gebloggt, dass der Blogosphäre oder Google nicht passt, steht man eh schon auf verlorenem Posten.

Schade, wäre das Internet doch wirklich eine Möglichkeit gewesen, die Gesellschafts- und Machtstrukturen neu zu mischen.

 

Mobbing - auch im Internet ein Thema April 27, 2008

Gespeichert unter: Uncategorized — Laura @ 1:38 Uhr nachmittags
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Mittels der Kommentarfunktionen in Blogs, Socialnetworking-Profilen und auf Homepages (dort eher als Gästebuch) ist es jedem möglich mehr oder weniger anonym und vorallem ungestraft andere Personen zu kritisieren, anzugreifen, verfolgen, mobben. Dies trifft auf Personen zu, die selbst im Netz aktiv sind.

Aber auch Personen, von denen keine Profile, keine Blogs und keine Homepages im Internet zu finden sind, können virtuell gemobbt werden; Mit massenhaft versendeten E-Mails zum Beispiel, auf eigens eingerichteten Homepages, oder in Blogs.

Bekannt ist dieses Phänomen hauptsächlich im Zusammenhang mit Schüler-Lehrer-Konflikten oder unter Jugendlichen, auch Stars haben immer wieder unter sogenannten “Cyberbullying” oder “Cybermobbing” zu leiden.

“Bei der Schweizerischen Kriminalprävention ist Cybermobbing schon länger bekannt. Unter Jugendlichen sei Mobbing kein neues Phänomen, sagt Leiter Martin Boess [...] Neu sei hingegen der Kanal, den nun einige Jugendliche nutzen: «Das Mobbing ist nicht direkt, sondern erfolgt auf Distanz», sagt Boess. «Viele Opfer erfahren daher erst viel später davon.» Die Blossstellung im Internet sei zudem öffentlich und könne nicht so einfach rückgängig gemacht werden. Wenn ein Film weiterhin im Netz bleibe, nütze auch eine Entschuldigung des Täters nichts.”

(Tagesanzeiger, 13.3.08, Michel Wenzler: “Männedörfler Nationalrätin bekämpft Mobbing im Netz”)

Allerdings bedienen sich, gerade wegen der beschriebenen “Vorteile” nicht nur Jugendliche des Cybermobbings, sondern auch Erwachsene. Und da kann eine solche Attacke durchaus grossen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Klassisches Mobbing wurde bisher vorallem als etwas verstanden, dem Angestellte ausgeliefert sind, sie werden entweder “von oben”, also von ihren Chefs, oder “von der Seite”, also von Teammitgliedern gemobbt, das Cybermobbing aber erlaubt ein geschicktes und risikoarmes Mobbing “von unten”, quasi von den Graswurzeln her.

Dies macht es für herrische, ungerechte Chefs besonders gefährlich.

“Offiziell heißt es, Richard Phillips habe gekündigt, um sich eine Auszeit zu gönnen. Doch in Wahrheit wurde der ehemalige Anwalt der internationalen Kanzlei Baker & McKenzie von seiner Sekretärin derart bloßgestellt, dass sein Ausscheiden unumgänglich war.

Wochen zuvor hatte sie bei einem Arbeitsessen die Hose ihres Chefs versehentlich mit einem Spritzer Ketchup bekleckert. Phillips ermahnte die Mitarbeiterin mehrmals in rüdem Ton, ihm die Reinigungskosten in Höhe von vier Pfund zu erstatten.

Die aber tat etwas anderes: Per E-Mail informierte sie alle Kollegen über das Gebaren des Anwalts. Phillips machte als geizigster Boss Englands Schlagzeilen.”

(Capital, 17.1.08, Mischa Täubner: “Attacken gegen den Chef”)

Aber grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer in einer Führungsposition gemobbt werden, unpopuläre Entscheide gehören ja quasi zum Job.

 

Aber gerade auch bekannte Blogger sehen sich auch immer wieder Hasstiraden und Mobbingattacken ausgesetzt. Bei Frauen wird dabei auch gerne die sexuelle Schiene gefahren. “Du bist nur neidisch, weil du so scheisse aussiehst” ist da gerade noch harmlos.

Es scheint gerade so, als würden Männer im Schutz der Anonymität Chauvinismus und Sexismus ausleben, der in der “echten Gesellschaft” längst nicht mehr in diesem Masse toleriert wird.

Bekanntestes Opfer von sexualisiertem Kommentarterror ist Kathy Sierra.

“Die Software-Designerin betrieb einen Technik-Blog und trat oft als Rednerin bei Software- und Compterkongressen auf. Im Frühjahr 2007 sagte sie sämtliche Engagements ab und schloss ihre Website. Der Grund: Seit Monaten war sie Zielscheibe von brutalen Angriffen gewesen. Auf ihrer eigenen Seite wurde sie als “langweilige Schlampe” bezeichnet, man drohte ihr, sie zu vergewaltigen, wen sie nicht aufhöre zu schreiben. Bei anderen Blogs tauchten Fotomontagen auf, in denen Sierra mit einem Seil um den Hals oder schreiend, mit einem Tanga auf dem Gesicht, zu sehen war.”

(Haaf, Klingner, Streidl: Wir Alphamädchen. S. 134)

Hier ein Bericht über die Vorfälle auf CNN:

 

 

Sturm im Wasserglas? April 21, 2008

Gespeichert unter: Uncategorized — Laura @ 3:57 Uhr nachmittags
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In meinem letzten grösseren Beitrag habe ich prophezeit, dass ein Skandal, von Schweizer Bloggern veröffentlicht, nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas wäre. Jetzt wurde ich von Sebastian auf einen eben solchen Skandal hingewiesen.

Stattgefunden hat dieser im August 2006, und sein Ablauf gibt mir, zumindest teilweise, recht.

 

Der Blogger und Informatiker eMeidi hatte sich in seiner Freizeit mit den Unzulänglichkeiten des Bilderportals “Partyguide” beschäftigt. Irgendwann bekam er einen Tipp bezüglich einer Sicherheitslücke bei “Partyguide”. Bei seinem ersten Hack-Versuch  hatte er freien Zugriff auf die persönlichen Daten von 190′000 Accounts.

 

Mit dem Know-How eines Script-Kiddies konnte sich jedermann Zugang zu Namen, Postanschriften, Mobiltelefonnummern und sogar Passwörtern aller Partyguide-Benutzer machen. Hinzu kamen die persönlichen Nachrichten, die zwischen Mitgliedern der Community ausgetauscht wurden.

Das Vorgehen erklärte eMeidi auf seinem Blog.

Nachdem eMeidi noch eine weitere Lücke publiziert hatte, wurde er von Partyguide auf die Liste der unerlaubten Wörter gesetzt (in Nachrichten wurde der Name “eMeidi” ersetzt). Im Juni 06 schliesslich veröffentlichte eMeidi seinen dritten Hack. Daraufhin wenden sich die Partyguidebetreiber mit einem Schreiben an den Arbeitgeber von eMeidi. Gleichzeitig wenden sie sich, erstmals in dieser Angelegenheit, an die Partyguidenutzer und informierten diese über ein neues Passwort. Bisher hätte es “grobfahrlässige” Passwörter gegeben, was nun nicht mehr möglich sei.

 

eMeidi selbst erfuhr erst im August 06 von diesem Schreiben, nachdem er bereits einen vierten Hack publiziert hatte, eine polizeiliche Befragung mit folgender Hausdurchsuchung und Konfiszierung von Server und PC über sich ergehen lassen konnte.

 

Im Schreiben an die Universität Bern (wo eMeidi als IT-Verantwortlicher im Departement Klinische Forschung sowie als Webmaster am Historischen Institut arbeitet) heisst es

Alle Hacker-Attacken wurden gemäss Aussage von seinem privaten PC gemacht. Es besteht keinerlei Zusammenhang zwischen der Strafanziege gegen Herrn Mario Aeby und Ihrem Institut. Wir erachten es als unsere Pflicht, Sie über die privaten Tätigkeiten Ihres Mitarbeiters zu informieren [...]

Ich weiss nicht, ob sich renommierte Institute wie die Ihren einen Webmaster mit solchen Verfehlungen leisten können oder möchten [...]

Es gab also keinerlei Veranlassung den Arbeitgeber von eMeidi anzuschreiben, mit Ausnahme der kindischen Hoffnung, ihm so persönlichen Schaden zuzufügen, in dem man seine Kündigung bewirkt. Anbetracht dessen, dass eMeidi die von ihm “erhackten” Daten niemals missbraucht hatte, sondern lediglich festhielt, DASS ein Missbrauch möglich wäre, eine unfaire Vorgehensweise.

 

Die Blogosphäre hat zwar reagiert (mit 4 Posts), jedoch weniger als ich es erwarten würde, wenn ein Blogger angegriffen wird. Zudem haben auch zwei Zeitungen (die BernerZeitung und “Heute”) über den Vorfall berichtet. Doch das grosse Medienecho blieb aus, trotz amüsant geschriebenem Blogbeitrag.

Auch als eMeidi ein Jahr später über eine erste Einvernahme berichtet, bleibt es still. Trotz beschämenden Verhaltens von Partyguide-Chef Jason Fellmann, der sich von einem Mitarbeiter vertreten liess. Der zweite Termin, bei dem Fellmann anwesend sein muss, ist verschoben worden. Datum unbekannt.

 

Die ganze Geschichte nachlesen

 

 

Natürlich ist es gut möglich (und ich hoffe das auch!), dass heute ein solcher Fall anders medialisiert würde. Die Medien und die Politiker haben mittlerweile auch in der Schweiz die Blogs entdeckt, und auch wenn ichs ungern zugebe, “Heute” hat wohl einiges dazu beigetragen.